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All In, das neue Turnspiel

Die Feststellung war eindeutig: Es fehlt an attraktiven Angeboten im breitensportlichen Gerätturnen. Im Rahmen einer bundesweiten Umfrage zum Wettkampfprogramm Gerätturnen weiblich hatten die Turngaue ihre Einschätzungen und Bedarfe deutlich formuliert: keine langen, auswendig gelernten Übungen, sondern kurze Bewegungsfolgen zur Leistungsüberprüfung. Dieser Wunsch nach einem niedrigschwelligen und motivierenden Wettbewerbsformat wurde mehrfach geäußert.

Diese Rückmeldungen hat der Hessische Turnverband aufgegriffen und dazu ein neuartiges Konzept ausgearbeitet. Leitmotiv war dabei, ein Angebot zu schaffen, das möglichst vielen Menschen den Zugang zum Gerätturnen eröffnet – unabhängig von Alter, Geschlecht oder Leistungsniveau. Niederschwelligkeit war in allen zentralen Bereichen handlungsleitend.

Das neue Wettbewerbsformat zeichnet sich insbesondere durch folgende Merkmale aus:

  • Es werden kurze, klar definierte Übungen bzw. Turnelemente überprüft.
  • Die Teilnahme steht grundsätzlich allen offen – unabhängig von Geschlecht und Alter.
  • Eine lange und intensive Vorbereitungszeit ist nicht erforderlich.
  • Kampfrichterausbildungen im Vorfeld sind keine Voraussetzung für die Prüferinnen.
  • Der Wettbewerb kann mit wenigen Geräten und damit ressourcenschonend organisiert werden.

Von besonderer Bedeutung war für den HTV darüber hinaus, dass der Spaß am Turnen im Vordergrund steht. Gleichzeitig sollte das Format einen gewissen Nervenkitzel bieten, um Spannung und Teamdynamik zu fördern.

Diese Spannung entsteht durch das „Alles-oder-Nichts-Prinzip“: In jeder Kategorie wählt die Teilnehmerin oder der Teilnehmer eine von mehreren Aufgaben aus. Wird die gewählte Aufgabe erfolgreich absolviert, wird die dafür vorgesehene Punktzahl vergeben; bei Nichterfüllung werden null Punkte angerechnet. Abstufungen dazwischen gibt es bewusst nicht. Damit gewinnt neben dem turnerischen Können auch die strategische Entscheidungskompetenz an Bedeutung: Wie hoch möchte man pokern? Die Mannschaft fiebert mit, unterstützt sich gegenseitig und erlebt den Wettbewerb als gemeinschaftliches Ereignis.

Die Übungen in den Grundkategorien sind so konzipiert, dass sie zentrale Basiselemente des Gerätturnens abbilden. Sie können gezielt in das reguläre Training sinnvoll integriert werden.

Das Format birgt bewusst auch eine kontroverse Komponente: Es ist möglich, dass nicht zwangsläufig die technisch stärkste Mannschaft gewinnt, wenn sie sich bei der Aufgabenwahl überschätzt und „zu hoch pokert“. Gefordert sind daher nicht nur motorische Fertigkeiten, sondern auch taktisches Geschick und kluge Entscheidungen.

“Mit diesem neuen Wettbewerbsansatz betreten wir Neuland. Es handelt sich um eine Premiere, deren praktische Umsetzung wir mit großer Spannung erwarten. Wir sind überzeugt, dass dieses Format das Potenzial hat, neue Impulse im Breitensport zu setzen,” sagt Annika Grossmann vom Orga-Team. “Unser Wunsch ist es, dass der Wettbewerb zum Erfolg wird und künftig von möglichst vielen Turngauen aufgegriffen und eigenständig angeboten wird, sodass eine breite Zielgruppe erreicht und für das Gerätturnen begeistert werden kann.”

Ihr wollt noch mehr erfahren, dann schaut mal bei Youtube vorbei! 

Ein Mädchen macht einen Handstand.