Durch die Qualifikation bei den Süddeutschen Meisterschaften im März, sicherte man sich die Teilnahme für das sportlich wichtigste Wochenende des Jahres. Jetzt galt es alle Kräfte zu sammeln und diese für zwei anstrengende Tage zur passenden Zeit abzurufen. Unser Mitspieler Thomas, der als Kapitän gleichzeitig Kopf der Mannschaft war, schwor die Truppe freitags abends auf den Weg Richtung Siegerstraße ein. Das Teilnehmerfeld sollte auf keinen Fall unterschätzt werden und es galt immer eine 100%ige Leistung abzurufen. Da sich bei der Meisterschaft die besten Mannschaften aus dem ganzen Bundesgebiet versammeln, können Sieg und Niederlage ganz nah zusammen liegen. Eine kleine Unachtsamkeit und ruck zuck ist man raus aus dem Titelrennen.
Samstags galt es zu einer ungewohnten Zeit in der Halle zu starten. Die Vorbereitung begann bereits um 8 Uhr und man hatte mit Jahn-Schladen sofort einen großen Brocken vor der Brust. Es galt gegen eine aktuelle Mannschaft der Bundesliga Nord zu bestehen. Dieses Spiel könnte auch gleich das richtungsweisende Spiel des Tages werden, handelte es sich auf dem Papier doch um den wahrscheinlich stärksten Gegner der Gruppe. Die Zeilharder Jungs legten in den ersten zwei Minuten einen für alle unvorhergesehenen Sprint hin und führten schnell mit 5 Bällen. Der Gegner war hiervon sichtlich beeindruckt und musste das ganze Spiel einen Rückstand verkraften. Eine ganz kleine Schwächephase ließ die Schladener zwar kurz aufatmen, aber man konnte das Spiel zum Schluss unaufgeregt mit 34:28 nach Hause holen.
Ohne große Zwischenpause ging es gleich gegen eine für uns unbekannte Mannschaft aus Bremen weiter. Man wollte natürlich an der Leistung aus dem vorherigen Spiel anknüpfen, aber es kam erst Mal anders als geplant. Weder Angriff noch Abwehr funktionierten und man tat sich gegen die drei Spieler aus der Hansestadt sehr schwer. Zum Glück schaffte man es dann doch recht schnell, das Spiel zu beherrschen und steuerte am Ende einem ungefährdeten 32:26 Sieg entgegen. Jetzt galt es im letzten Gruppenspiel gegen die Mannschaft aus Sottrum den Gruppensieg und damit den direkten Einzug ins Halbfinale zu sichern. Mit Sottrum traf man auch auf einen lieben Bekannten. Henning, der in Darmstadt wohnt und mit uns zusammen trainiert, schnürt seine Prellballschuhe für den Verein aus dem hohen Norden. Hier konnten die Prellballer des TV Zeilhard nach ein paar Minuten ihre Kräfte schonen und durchwechseln, um für den zweiten Tag Kräfte zu schonen. Am Ende stand ein 36:21 auf der Anzeigentafel.
Der erste Tag war somit sehr erfolgreich und man hatte das erste Etappenziel mit dem Halbfinaleinzug erreicht. Am Abend war schon irgendwie eine besondere Stimmung zu spüren. Der Gedanke mit zwei weiteren Siegen ganz oben auf dem Treppchen zu stehen war da und die vorher fast unmögliche Sensation war möglich. Alle lagen um 22 Uhr im Bett und suchten die Ruhe vor dem großen Tag. Sonntags ging es dann um Alles. Der Erfolg vom Vortag zählt nicht mehr viel, denn jetzt war vom vierten bis zum ersten Platz alles möglich. Im Teilnehmerfeld standen sich jetzt nur noch die absoluten Spitzenmannschaften gegenüber. Im Halbfinale stand man mit der Bundesligamannschaft des Ausrichters Markoldendorf auf dem Feld und kämpfte um den Einzug ins Finale. Ein harter Kampf über 20 Minuten, in denen sich keines der Teams irgendwelche Geschenke machte. Es entwickelte sich ein Spiel auf absolutem Topniveau, in dem kleine Fehler den Ausschlag für Sieg oder Niederlage geben sollten. Zum Glück bewegten sich die Fehler mehr auf der Seite des Gegners + am Ende stand man mit einem 32:28 Sieg im Finale um die Deutsche Meisterschaft.
Die Luft in der Halle wurde immer dünner und die Anspannung erreichte ihren Höhepunkt, als sich die Zuschauer auf das Finale der beiden verbliebenen Mannschaften aus Berlin Marienfelde und des TV Zeilhard einstimmten. So ein Finale hat schon ein ganz besonderes Flair und jeder der einmal diese Luft schnuppern durfte, wird Alles dafür geben oben auf dem Treppchen zu stehen. Die Spieler beider Mannschaften kennen sich schon viele Jahre, wobei das Ergebnis in 90 % der Fälle eher für Berlin gesprochen hat. Dem Verfasser dieser Zeilen fällt es ein bisschen schwer dieses Gefühl eines Finales zu beschreiben, man muss es fühlen um es in Worte zu fassen. Es folgten 20 Minuten eines absoluten Topspiels, welches einem Finale wirklich würdig war. Den Zuschauern wurde Prellball auf der höchsten Ebene geboten und zur Halbzeit stand es dann auch noch 15:15. Zu dieser Zeit hätte wahrscheinlich jede Pulsuhr den Notruf aktiviert, war die Herzfrequenz der Spieler sicher im roten Bereich. Zeilhard durfte in der zweiten Hälfte mit eigenem Ball aufschlagen und war somit vielleicht auf dem Papier leicht im Vorteil. In den nächsten sieben Minuten folgte ein Schlagabtausch der Extraklasse beider Mannschaften. Die letzten drei Minuten und somit die berühmte Crunchtime waren auf der Uhr und jetzt würde jeder Fehler sicherlich eine Entscheidung bedeuten. Die Jungs aus Zeilhard spielten sich in einen regelrechten Rausch und zeigten ihr bestes Prellball, das in dieser Zusammensetzung jemals auf den Hallenboden gebracht wurde. In der Abwehr wurden alle Bälle gehalten und im Angriff konnte man sehenswerte Punkte unterbringen. Nach 20 Minuten gab es kein Halten mehr, Tränen flossen…… der TV Zeilhard war Deutscher Prellballmeister in der Klasse Männer 30 im Jahr 2026.
Nach der Siegerehrung und einer dreistündigen Heimfahrt wartete noch eine große Überraschung auf die Jungs. Auch um 22.30 Uhr waren sich viele ehemalige Prellballer und Freunde des runden Leders nicht zu schade um noch einen Empfang in der Halle des TVZ zu organisieren. Bis weit nach Mitternacht wurde der Titel gefeiert. Ein großes Dankeschön an die Prellballfamilie…es war ein unvergessliches Wochenende.
