Licht im Dunkel der Beratungslandschaft

| Erstellt von Joachim Schuchardt | Verband Vereinsentwicklung

Mit Sport hat sie auf den ersten Blick eigentlich nichts zu tun. Die meisten kennen sie aus ihrem Berufsleben, verbunden oft mit Ressentiments. Daher lohnte es sich für gut 40 Funktionäre aus Sportkreisen, Sportfachverbänden und vielen weiteren Sport-Institutionen einen Blick auf die Beratungs-Landschaft im organisierten hessischen Sport zu werfen.

Zumal mit dem Projekt "Starker Sport. Starker Verein" seit mehr als einem Jahr die großen Player im hessischen Sport (lsb h, Hessischer Fußball-Verband und Hessischer Turnverband) zusammengetan haben und modellhaft Beratungen landesweit anbieten, großzügig gefördert vom Hessischen Ministerium des Innern und für Sport.

Doch vielen Akteuren im hessischen Sport fehlte bislang der Zugang zu diesem Modellprojekt. Viele Andere vermissen auch die Unterscheidungsmerkmale zu bereits existierenden Beratungsangeboten. Auf diese Fragen wollte man in der Sportschule Grünberg gemeinsame Antworten finden. Dass dies gelang, bestätigte am Ende der Hausherr selbst. Stefan Reuss, Präsident des Hessischen Fußball-Verbandes, betonte nämlich in seinem Schlusswort "Meine anfängliche Skepsis ist spätestens heute gewichen. Ich sehe die Beratung als wichtiges Entwicklungsinstrument für die Zukunftsfähigkeit nicht nur unserer Fußballvereine, sondern auch für alle Vereine im hessischen Sport".

Dass es zu einer solch positivem Bilanz kam, dürfte nicht nur an der Diskussionsfreude der Beteiligten gelegen haben. Vielmehr konnte mit der Veranstaltung die Notwendigkeit wie auch die Unterschiedlichkeit und Vielfalt der Beratungsangebote im Sportland Hessen ausdifferenziert und verdeutlicht werden. Drei Beratungsebenen stehen den hessischen Sportvereinen offen: Zum einen die zahlreichen Kanäle, die sich aus den unterschiedlichen Fachbereichen des Landessportbundes oder der Fachverbände ergeben. Sei es eine telefonische Nachfrage zu Versicherungsfällen, zur Lizenzverlängerung oder zur Mustersatzung - hier stehen die Institutionen gerne beratend zur Seite.

Seit langem gibt es auch schon Fachberatung in Hessen. Ein Klassiker in diesem Beratungsfeld: die Sportstättenberatung des Landessportbundes. Bleibt noch die Vereinsentwicklungsberatung, von der aktuell 30 hessische Sportvereine im Rahmen des Projektes "Starker Sport. Starker Verein." profitieren. Hier geht es um die Zukunftsstrategien der Vereine, die sie in Workshops entwickeln, es geht um die Einbindung neuer Kräfte in die Arbeit, um die Entwicklung der Angebote und die Stärkung des Gemeinsinns im Verein.

Wie gut das bislang funktioniert hat, wurde an diesem Samstag in Grünberg aufgezeigt - zum Beispiel mit der TSG Blau-Gold Gießen: Der Tanzsportverein hatte bereits einen Transformationsprozess hinter sich: vom klassischen Tanzparkett hin zu Jazz-, Modern- und Pole Dance ergänzt durch vielfältige Fitness-Angebote. Der Verein entwickelt sich durchaus positiv, nutzte die Beratung allerdings, um eine exakte Standortbestimmung vorzunehmen und daraus die Potenziale im Bereich Digitalisierung und Bildung zu erkennen.

Ganz anders, aber auch sehr ähnlich präsentierte sich Beispielverein Zwei, die SG Haitz. Der Fußballverein aus dem Umland von Gelnhausen hat sich in den letzten Jahren zu einem reinen Frauenfußball-, Tanz- und Cheerleading-Verein gewandelt und seine Fußball-Herrenmannschaft abgemeldet. Ihr Vorsitzender, Ulli Trumpfheller, berichtete vom Weg seines Vereins zur Bewerbung als Projektverein, von diversen Aha-Effekten, die sich während des ersten Workshops bei den Teilnehmern einstellten und von einem stärkeren Wir-Gefühl, das sich seitdem eingestellt hat.

Spannende und interessante Beiträge zum Thema Vereins-entwicklungsberatung also, die interessante Diskurse bei den Anwesenden auslösten. Und bei viele Beteiligten aus Sportkreisen und Fachverbänden wurde die Neugier geweckt, das Thema Vereinsentwicklungs-beratung in ihren Institutionen vertiefend zu behandeln und in ihre Strategien einzubinden. Denn am Ende geht es um nichts Geringeres als die Zukunftsfähigkeit unserer Sportvereine.