Der Hochrhöner – Höhepunkte der Rhön

| Erstellt von Jochem Entzeroth | Wandern

Federnde grüne Matten, geheimnisvolle Halden grauer Basaltblöcke, knorrige alte Buchen, unergründliche, dunkle Moore und liebliche Flusstäler – die Landschaft der Rhön weist viele Formen auf. Die kahlen Höhen mit ihren weiten Ausblicken machen das "land der offenen Fernen" unverwechselbar. Birkhuhn, Turmfalke, Trollblume, Roter Milan und Sibersdistel finden in der Rhön noch ihren Lebensraum. Der Hochrhöner® , ist der Premiumwanderweg von Bad Kissingen nach Bad Salzungen, baut auf dieser Tradition auf und steht zugleich am Anfang einer neuen Ära. Auf 180 Kilometer führt der Hochrhöner® durch das Herz Deutschlands. In 2010 wurde der Hochrhöner® als "Schönster Wanderweg Deurschlands" ausgezeichnet und ist ein Mitglied der Top Trails of Germany.

Die mit 120 Wanderkilometern "schönste Runde" des Hochrhöner® haben die WEG (WanderErlebnisGestalter) des Hessischen Turnverbandes - Jürgen Euler (Turnerschaft Kleingrotzenburg) und Jochem Entzeroth (TuS Steinbach 1885 e.V.) - für die Wanderinnen und Wanderer des HTV bereits vor mehr als einem Jahr ausgesucht und allen wanderfreudigen Mitgliedern (Turnerinnen und Turnern) zur Teilnahme angeboten.

"Schönste Runde"? Ja, diese setzte sich jeweils etwa hälftig, aus der westlich verlaufenden "Kuppenrhön" und der östlich verlaufenden "Langen Rhön" zusammen. Doch lies' geneigte Wanderin und Wanderer was 17 Wanderinnen und Wanderer des HTV erlebt haben:

Wie in den Jahren zuvor wurde auch wieder ein Wanderhotel (Gasthof und Hotel Hohman in Hilders) - mitten in der Rundroute gelegen - ausgewählt, um von dort aus die Wanderungen auf dem Premiumweg zu starten. Zu den jeweiligen "Wandereinsatzorten" wurden wir mit einem quasi ortsansässigen Shuttlebus gefahren.

Am ersten Tag, dem Anreisetag, starteten wir nach Ankunft aller Teilnehmer erst gegen 11.00 Uhr um vom Absetzpunkt: Infozentrum "Rotes Moor" zum Aufgabelpunkt: Grabenhöfchen (Rhön-Hotel) zu gelangen. Diese ersten knapp elf Einwanderkilometer hatten es schon in sich, zumal die Sonne nach kaltem Start doch recht frühlingshaft auf unseren Wanderweg schien. Es wurde die Fuldaquelle besucht und auch die Strecke über die Wasserkuppe - mit 955m die höchste Erhebung in der Rhön - verlangte nach sportiver Wanderbewegung. Gut das es kurz vor erreichen des Aufgabelpunktes die Enzianhütte zur gelungenen Schlussrast einlud.

Der zweite Wandertag sollte ohne Shuttlebusverkehr bewältigt weden. Pünktich nach dem Frühstück wurde vom Hotel aus der etwa elf Kilometer lange Weg zur Milseburg - der heilige und stimmungsvolle Berg (835 m) - in Angriff genommen. Denn jeden Montag singen dort in der Milseburghütte die "Montagssänger" von 13.00 bis 15.00 Uhr - und das seit über 30 Jahren! Sollte man mal dabeigewesen sein. Und der Großteil ging den Weg auch zurück in das Wanderdomizil in Hilders und wurde dabei von einem ordentlichen Regen durchnässt.

Zum dritten Tag ist zu sagen, dass es oftmals anders kommt als man denkt. Unser Shuttle-Bus brachte uns pünktlich zum Absetzpunkt "Grabenhöfchen" um die anstehenden 16 bis 18 Kiliometer unter die Wanderschuhe zu bringen. Unterwegs gab es keine Einkehrschwungmöglichkeit doch - und damit hatte niemand gerechnet - entdeckte man ein antikes Café? "Ist es mehr Café, Flohmarkt oder Museum? Das mag jeder Besucher für sich selbst entscheiden, denn es hat von allem etwas." So berichtete schon mehrfach der hr. Wer mal will, kann gerne reinschauen.

Der vierte Tag hatte es in sich. Von Schwarzbach aus runter nach Gotthards. Weiter hoch über den Zinkberg, Großer Stein, Katzenstein. Dabei wurde die ehemalige Grenze zur "DDR" (heute Bundesland Thüringen) gestreift und plötzlich, nach einer eingelgten Trinkelpause am Ahornplätzchen, war Edda verschwunden. Waldarbeiter hatten sie gesehen, der vorbeikommende Förster half bei der Suche mit, alles ohne Erfolg. Doch dank Handy und Jürgen wurde der Kontakt hergestellt und Edda wieder eingefangen. Gott sei Dank. Ein Teil der Wanderlustigen ließen es sich nicht nehmen auch noch den Habelstein zu erklimmen und der andere Teil folgte dem Vorschlag des Försters und erreicht wacker fürbass wandernd das Ort mit dem Slogan: Tann:rhön - grenzenlos schön! Willkommen in Tann (Rhön) - einem der beliebtesten Orte Deutschlands! Alleine der Einkehrschwung am Ende eines aufgregendenen Tages, im Cafe Fabula, sorgte wieder für gute Stimmung.

Am fünften Tag machte es den tapferen Wanderinnen und Wanderern wieder Spaß. Blauer Himmel, Sonnenschein, Herz was willst du noch mehr. Nach dem Verlassen des Shuttle-Busses in Tann ging es gleich gravottisch zur Sache. Der Weg vom "beliebtesten Ort Deutschlands" führte die Wanderinnen und Wanderer des HTV von knapp 400 HM ganz flugs auf das Niveau 650 HM. Noch ordentlich schnaufend war ein Weitblick über die Höhen der Rhön angesagt, aber bald ging es zurück in die Spur; denn bald war der Übergang von der "Kuppenrhön" zur "Langen Rhön" angesagt. Da hatte Jochem eine Idee: Wäre nicht ein Abstecher zum Besuch des Rhönhotels Katzenstein, mit seiner unschönen Chronik in der Zeit vor und während des Unrechtssstaates angesagt? Im Jahre 1935 erbaut. Als Burggasthof für "verdiente" Genossen der NSDAP eröffnet. 1945 Besetzung durch die Amerikaner und bald darauf trifft, unter russischem Kommando, die kasernierte Volkspolzei unseres Bruderstaates ein. Bald danach die Plünderung des Hauses durch die Bevölkerung der Umgebung. Nach gründlicher Renovierung in 1952 wird das "Hotel" für verdiente Genossen der Staatssicherheit geführt. Und nach dem Fall der Mauer wird das Hotel wieder für Jedermann geöffnet. Ein Stück gesamtdeutsche Geschichte auf der Wanderung durch Thüringen. In Mittelsdorf sammelte der Shuttle-Bus die müde gewanderte und mit kulturellen Erinnerungen vollgestopfte "Truppe" wieder auf.

Der sechste Tag führte die Hessenwanderinnen und - wanderer bei kühlem Wetter aber strahlendem Sonnenschein über grüne Matten und eine sich weit öffnende Landschaft in südlicher Richtung - vorbei an der sagenumwobenen Hexenlinde - zum "Ellenbogen" mit seinem ebenfalls geschichtsträchtigen "Eisenacher Haus". 1928 bis 1945 eine Wanderherberge, die viele interessante Leute besuchten, von 1945 bis 1961 Ferienheim des damaligen FDGB. Ab 1963 bis 1970 eine Abhöranlage gen den antifaschistichen Westen, die von den sowjetischen Streitkräften belegt wurde und von 1970 bis zur politischen Wende ein Horchposten der Staatssicherheit der DDR. Gott sei Dank spürt man davon heute nichts mehr. Im Gegenteil. Um das Land der offenen Fernen von der Höhe aus noch besser beobachten zu können wurde 2017 ein 20 Meter hoher und wie ein Schiffssegel gestalteter Aussichtsturm auf dem Berg Ellenbogen - 815 üN.N. - in der Thüringer Rhön errichtet. Von dort aus war es nicht mehr weit zum heutigen Etappenziel und Shuttlebusaufgabelpunkt in Frankenheim.

Siebter Tag - Anfangs sehr frühlingshaft warm und sonnig um am Nachmittag mit einem kleinen Aprilregenschauer an unserem Ausgangspunkt vor einer Woche, am Roten Moor, zu enden. Zuvor jedoch wurden die Hessenwanderer wieder an die "Taten" des Unrechtstaates erinnert. Wandernd konnte an Infotafeln über unfassbare Tatsachen des damaligen Lebens in der sog. Sicherheitszone gelesen werden. Es ist zwar gut sich zu erinnern aber noch schöner ist es, zu wissen, dass diese Zeit vorbei ist. Das Schwarze Moor, mittlerweile in Bayern angelangt, wurde auf Bohlenwegen, wissensvermittelnd durchwandert und die Landschaft mit ihrer typischen, mittelgebirgsartigen Fauna und Flora ließen die Herzen der Wanderinnen und Wanderer des HTV etwas höherschlagen. Das Schwarze Moor verlassend lagen noch etwa acht Wanderkilometer auf und ab führend bis zum Aufgabelpunkt unseres heutigen, letzten Wandertages vor uns. Der Shuttlebus wartete am Parkplatz "Rotes Moor" und brachte alle gesund und unversehrt gebliebenen HTV-Wanderinnen und - Wanderer zum Wanderdomizil in Hilders.

Jürgen und Jochem ließen nach dem guten Abendessen diese 34. HTV-Wanderung nochmal Revue passieren und Jede/r bekam eine Urkunde des HTV über die erfolgreiche Teilnahme der Wanderung auf der Hochrhöner Runde. Somit ging die 34. Hessenwanderung des HTV ihrem Ende entgegen.

Jürgen nutzte dabei die Gelegenheit auf die geplante 35. Hessenwanderung im nächsten Jahr - 2019 - hinzuweisen: 100 Wanderkilometer auf dem Habichtswaldsteig HTV-Wanderdomizil: evtl.Parkhotel Emstaler Höhe. Interessierte können sich jetzt schon melden bei Jürgen (juerg.eulerhotmail.com) oder Jochem (j.entzerothweb.de) um weitere Details zu erfahren.

Die 17 Wanderer der 34. Hessenwanderung des HTV. Es fehlen (Jochem Entzeroth, der Fotograf (TuS Steinbach 188 e.V.) und Franz-Josef Salzmann (ebenfalls TuS Steinbach 1885 e.V.))

HTV-Wanderer auf dem Weg zu "Noahs-Segel" in Erbenhausen mit Fernblicke nach Bayern, Hessen und Thüringen.