2019

Bälle sind nicht für jeden was! - von Ann-Kathrin Bender

htvuser - 27. September 2019 - Innenleben

Mein Kollege zum Beispiel hat eine ganz klare Abneigung gegen Bälle, das wird immer wieder deutlich! Das gilt sowohl für die Form, die vom Duden beschrieben wird als „kugelförmiger, gewöhnlich mit Luft gefüllter [elastischer] Gegenstand, der als Spielzeug oder Sportgerät verwendet wird“ (ok, ok, der Volleyball ist von der Abneigung ausgenommen) als auch für die zweite Definition, die im Duden geschrieben steht: „größere [festliche] Tanzveranstaltung“. Während der erste „Ball“ aus dem mittelhochdeutschen kommt, leitet sich Letzterer aus dem Lateinischen von ballare = tanzen ab.

Der „Ball“ ist also ein ganz und gar sportliches Wort, wenngleich die Bedeutungen doch sehr verschieden und für viele gedanklich nur sehr schwer unter einen Hut zu bringen sind. Tanzen und Ball spielen. Aber man schaue sich nur mal die rhythmischen Sportgymnastinnen an, die dem Ball gleich eine ganze Disziplin widmen und deren Präsentationen „durch tänzerische und akrobatische Elemente gekennzeichnet“ sind, wie der DTB auf seiner Webseite schreibt. Tanz und Ball also in einem harmonischen Einklang. Und überhaupt: Wurde nicht sogar manch Fußballer als der, „der mit dem Ball tanzt“ (ich glaube, Mario Götze, Ronaldinho und Mesut Özil waren darunter) beschrieben? Ball ist also eigentlich ein überaus verbindendes Wort!

Verbunden hat es kürzlich bereits zum 18. Mal auch jede Menge Sportler: Denn bei der Olympischen BALLnacht des Landessportbundes Hessen trafen sich Sportler aus den unterschiedlichsten Sportarten und verbrachten einen festlichen Abend miteinander. Gekürt wurden dort unter anderem auch Hessens Sportler des Jahres, Sarah Köhler (Schwimmen) und Stephan Leyhe (Skispringen) und die Sportschützin Natascha Hiltrop in der Kategorie Sportler mit Behinderung. Übrigens dotiert mit (meiner Ansicht nach viel zu geringen) 1000 € und umrahmt durch vorwiegend akrobatisch-tänzerische Darbietungen.

Ich halte die Olympische Ballnacht für eine tolle Veranstaltung, die Ballsportler mit Tänzern, Schwimmer mit Skispringern und viele andere Sportler und Sportarten zusammenbringt. Und ganz nebenbei dient die Sache auch noch einem guten Zweck: Die Erlöse aus einer groß angelegten Tombola gehen an die Stiftung Sporthilfe Hessen. Der Gewinner des diesjährigen Hauptpreises wird übrigens noch gesucht, da er sich bisher nicht gemeldet hat: Alle, die ein noch nicht eingelöstes Gewinnlos der Farbe Blau, besitzen, könnten es sein. (Da fällt mir ein, dass ich wohl die Kollegin, die vor Ort war und bestimmt ein Los gekauft hat, wohl nochmal anstupsen muss, in allen Taschen zu suchen.)

Während der Frankfurter Kollege nichts von „größeren [festlichen] Tanzveranstaltungen“ hält, bei denen man sich auch noch schick anzieht und in Kleid und Anzug flaniert, ist die Alsfelder Kollegin begeistert und verkündet: „Ich gehe gerne auf Bälle!“ Und wenn es um den Ball in runder Form (ok, von mir aus auch in eiförmiger Variante, obwohl es dann rein definitorisch kein Ball ist) geht, sind wir uns alle wieder einig, dass der Ball an sich doch eine ganz gute Sache ist (schließlich gehören zu den Turnern auch die Faust- und (Zweier-)Prellballer). Zumindest, solange es nicht um Fußbälle geht. Also sind Bälle doch (fast) für jeden etwas!