2020

Schule fürs Leben

Joachim Schuchardt - 25. März 2020 - Quarantäneblock

Die gestern aufgeworfene Frage, wo denn der Sport bleibt in diesen Zeiten, in denen alles anders bleibt, hat mich gestern auf ganz anderem Wege eingeholt, nämlich beim Blick auf den Nachwuchs. Ja klar, unser Tempel der Fitness steht allen Mitbewohnern offen. Aber es ist halt eine eher individuelle Lösung, wo jeder stressbedingt am Boxsack den Kartenspielfrust loswerden kann oder ganz nach Plaisir den Stabi-Übungen oder den entspannenden Yoga-Übungen nachgeht.

Heute richtete sich beim gemeinsamen Frühstück die sportliche Aufmerksamkeit in eine andere Richtung. Schuld daran ist das Lehrerkollegium der Schule meiner Kids. Das verteilte nämlich per WhatsApp ein hübsches Motivations-Bild. Weltklasse. So weit. Nun entwickelte sich unser kleiner Exkurs zu den heute anstehenden (Video-)Lehrstunden bzw. Hausaufgaben, die irgendwie durch den digitalen Dschungel den Weg in unser friedfertiges Wetterauer Anwesen gefunden haben. Naja, das Übliche, könnte man nach einer Woche sagen: MINT-Fächer, Englisch, Deutsch, Französisch.

Die Versorgung mit Schulstoff ist sichergestellt. Sieht man von einer fast schon beiläufigen Ausnahme ab: Sportunterricht. Ich muss zugeben, da bin ich hyperempfindlich, weil ich schon lange den Verdacht hege, dass der Sport – wenn auch inzwischen sogar als Abiturfach zugänglich – hinter all den Fremdsprachen, MINT-Fächern ein Schattendasein fristet. Zumindest im vorherrschenden Bildungskanon. Sport ist immer das erste Fach, das ausfällt oder durch Fachfremde vertreten wird, die dritte Sport-Wochenstunde ist den Erlass nicht wert, auf dem es geschrieben steht. Und die Krise offenbart die Wahrheit. So gut wie nirgendwo findet irgendwas in Richtung Schulfach Sport statt, wohin man auch hört. Chancen, gerade digitale, gibt es genug. Das beweisen uns die zahlreichen Online-Seminare, die gerade die Internetleitungen verstopfen. Wobei meine Fantasie in diesen Angelegenheiten tatsächlich sehr beschränkt ist. Da habe ich tatsächlich Gottvertrauen in die Kreativität der Kollegen Sportlehrer. Ich bin mir sicher, die würden sich so einiges einfallen lassen in Sachen Bewegungserziehung. Und die Schüler*innen hätten sicherlich Spaß an der Abwechslung in Zeiten, in denen alles anders ist.