Innenleben

Joachim Schuchardt - 15. April 2019 - Innenleben

Vorbilder müssen keine Keulen sein!

Jeder hat seine Vorbilder. Fabian Hambüchen ist sicher das Vorbild vieler junger Turner im Hessenländle, Pauline Schäfer jenes der Turnerinnen, zumindest derer, die sich bevorzugt über den Balken zittern. Zumal die Agenturen melden, dass sich die Balken-Weltmeisterin von 2017 bei der Europameisterschaft mit einem furiosen Comeback nach langer Verletzungspause zurückgemeldet habe. Und genau an dieser Stelle musste ich an meine beiden Vorbilder denken. Denn der eine hat sich jetzt abgemeldet und ist mit Sicherheit eines: der größte deutsche Sportler! Genau – gemeint ist Dirk, der sich inzwischen lieber als Texaner bezeichnet (er ist der einzige, dem ich das nicht übelnehme!) und angesichts seiner Körpermaße nicht turnt (was ich gut verstehen kann) und über den mein anderes Vorbild schreibt: „Jeder will ihn als Freund haben“. Stimmt. Hätte ich gerne. Muss ich zugeben. Einfach ein geiler Typ. Mit tränenerfüllten Augen habe ich am vergangenen Mittwoch still vor der Glotze angesichts der Bilder im heute journal getrauert.

Nun habe ich ja die Brücke zu meinem anderen Vorbild schon gebaut, fünf Sätze zuvor konnte man es bereits erahnen, dass es sich wohl auch um einen Schreiberling handelt. Stimmt. „gw“ heißt der Mann, ist inzwischen im Ruhestand und war einst mein Chefredakteur. Auf alle Fälle handelt es sich aber um den begnadetsten Sportkolumnisten im deutschsprachigen Raum. ‚Nun gut‘, sagen Sie nun, ‚was hat das mit diesem Blog zu tun‘. Ganz viel. Denn trotz seiner analogen Herkunft (klassischer Zeitungsjournalist und Kugelstoßer!) bloggt er seit Jahren sehr geistreiches und manchmal auch humoristisches zu Sport, Politik und was (sich) sonst noch so bewegt. Und das auch noch reichlich ideenreich und wortgewaltig. Deshalb empfehle ich die Lektüre auch besonders, genau wie die immer noch gedruckt erscheinende „Anstoß“-Kolumne, samstags in meiner Heimatzeitung. Es ist der etwas andere Blick auf das Sportgeschehen, den ich sehr schätze. Obwohl ich mit meinen Vorbildern durchaus kritisch bin. Was bei Dirk Nowitzki schwerer ist, denn viel Reibungsfläche bietet er nicht. Eigentlich überhaupt keine. Was ihn von meinem anderen Vorbild unterscheidet. Denn davon bietet er reichlich. Was als Kolumnist wohl auch so sein sollte. Womit wir schon bei dem wären, was beide eint und weshalb man sie vielleicht auch beide gerne als Vorbilder haben kann – denn eines tun beide nicht: mit der Moralkeule schwingen und trotzdem aufrecht für die Werte des Sports stehen. Respekt.