Innenleben

Joachim Schuchardt - 29. April 2019 - Innenleben

Ein Snickers für die Miesepeter dieser Welt

Ja, das waren schöne Ostertage mit Traumwetter. Aber kaum waren sie vorüber beschäftigte Alle, die damit zu tun haben, nur ein einziges Datum: der 23. April. An besagtem Tage um 23.59 endete nämlich die Anmeldefrist für das Landesturnfest. Nun kann man sich sicherlich vorstellen, dass man nicht einfach so irgendwelche Meldezahlen zur Kenntnis nimmt, wenn man im Job unentwegt damit zu tun hat. Das Ganze ist wegweisend. Auch, weil so etwas in unseren Büros von einer kleinen Schätz-Wette begleitet ist: Wer am nächsten dran ist an der tatsächlichen Teilnehmerzahl, der bekommt einen Schokoriegel. Man sieht, in der HTV-Verwaltung, wie auch in der Führung (Präsidiumsmitglieder waren auch beteiligt) übt man sich in turnerischer Enthaltsamkeit. Alleine die Aussicht auf ein Bounty oder eine Snickers führt zu freudiger Aufregung.

Zudem hatte ich bislang in der mir eigenen Naivität Sportwetten immer als Medium verstanden, die Kühnen und Wagemutigen zu belohnen (die Sache mit der Sucht und sonstigen Begleiterscheinungen will ich hier nicht kleinreden, aber einfach mal weglassen). So hat mir an Ostern mein Sohn den Screenshot der Fußballwette eines Sportfreundes gezeigt: Eintracht wird UI-Cup Sieger, Werder gewinnt den DFB-Pokal und Ajax die Champions League – Einsatz 20 Euro, Wettergebnis 40.000 Euro. Okay. Inzwischen sind die 20 Euro in den Taschen der Wettanbieter gelandet, denn Bremen ist raus (fragen sie an dieser Stelle nicht nach den Umständen, darüber regen sich andere auf). Nichtsdestotrotz schien mir meine Schätzung von 5.125 Teilnehmern beim Landesturnfest in Bensheim und Heppenheim als tausendfach sichererer Tipp.

Um ganz ehrlich zu sein: Eigentlich war ich mir sicher, dass bei der Rückkehr aus den Oster-Kurzferien am Donnerstag letzter Woche das Objekt meiner Süßigkeiten-Begierde auf der Tastatur meines Rechners auf mich warten würde. Wohl verpackt in Geschenkpapier, mit Schleife und einer Glückwunschkarte unserer internen Wettveranstalter. Umso schlimmer das Ergebnis. Nun will ich nicht mit persönlichen Details nerven. Aber dass ausgerechnet die Miesepeters dieser Welt sich fürderhin mit leckeren Süßigkeiten vollstopfen, ist sicher nicht Sinn der Sache. Nein, mein Wagemut wurde nicht belohnt. Und die eigentlich nötigen Beschimpfungen der von mir sonst hoch geschätzten hessischen Turnerinnen und Turner unterlasse ich jetzt einfach. Nur eines würde ich gerne mal wissen. Was wurde eigentlich falsch gemacht, dass wir mit nur 4.000 Wettkämpferinnen und Wettkämpfern an der Bergstraße rechnen dürfen? Schreiben sie’s einfach in die Kommentare. Es interessiert mich (und vor allem die Turnfest-Organisatoren) sehr. Denn das Turnfest hat Ihr und Euer Kommen verdient. Ich mein Bounty offensichtlich nicht. Ist nicht so schlimm. Ich hole mir eines in der DOSB-Kantine nach dem Mittagessen. Ich muss den Frust über das Meldeergebnis mit Süßigkeiten kompensieren - sowie die Tatsache, dass unsere Pessimisten auch noch belohnt werden.