Innenleben

Joachim Schuchardt - 29. September 2017 - Innenleben

Sport, Turnen und Soziale Arbeit

Es ist ja sonst nicht unser Stil, uns mit den anderen zu beschäftigen, denn wir Turner sind uns ja oft selbst genug. Aus gutem Grund, denn und gibt es schon lange, wir sind so richtig breit aufgestellt und - darüber hatte ich zuletzt geblogt - sind gut justiert zwischen Tradition und Moderne.

Trotz alledem, wir sind ein Teil des Großen und Ganzen (ein nicht unerheblicher!) namens Organisierter Sport in Deutschland. Dass wir da eigentlich ganz gut aufgehoben sind, beweisen die vielfältigen Aktivitäten des DOSB. Und da sei an dieser Stelle in besonderer Weise der wunderbare DOSB-Pressedienst erwähnt, der jeden Mittwoch nachmittag pünktlich in meinem elektronischen Postfach liegt. Besonders hervorzuheben: Der oft 30-seitige Pressedienst beginnt stets mit einem Kommentar, und zwar so gut wie immer mit einem sehr gehaltvollen.

Gestern hat sich daselbst Martin Schönwandt zu Wort gemeldet. Schönwandt ist Vorstand Jugendsport beim DOSB und hat sich grundlegende Gedanken zum Zusammenspiel von Sport und Sozialer Arbeit in dieser Republik gemacht. Und festgestellt, dass die gesellschaftlichen Aufgaben des Sports und der Sozialen Arbeit meist deckungsgleich sind, und irgendwie längst zueinandergefunden haben. Eine nicht unwichtige Erkenntnis, wenn wir uns als Turnvereine vor Augen halten, welche vielfältige gesellschaftlichen und insbesondere jugendpolitisch-pädagogischen Aufgaben inzwischen durch fast alle Sportvereine gestemmt werden. Wir integrieren, kennen keine soziale Schere, bei uns gilt Bildungsgleichheit, wir sind ein glühendes Besipiel für gelebte Demokratie.

Nur wenn es um darum geht, "guten und durchaus auch erfolgreichen Sport gerade für junge Menschen zu organisieren, bewegt (es) sich grundsätzlich in völlig anderen Kontexten und verfolgt andere Ziele als die Soziale Arbeit." Mag sein. Oder auch nicht. Denn dem sei gegenüber gestellt, dass sich das friedliche, sportliche Messen nach einem ausgetüftelten, nach den Richtlinien des Fair Play ausgerichteten Wettkampfes durchaus ein gutes Stück Sozialarbeit abbildet. Glaube ich. Zumndest lasse ich das mal für uns Turner so stehen und beziehe mich dann mal gerne auf unsere Turnväter, in deren guten demokratischen Werte-Tradition wir uns (auch in der Morderne!) immer noch gerne und gut bewegen.

Bleibt nur die Frage, ob dies bei manch einer anderen Sportart und bei offensichtlich professioneller Struktur unter Einsatz vieler Millionen Euros vielleicht ganz anders aussieht. Aber da können Sie sich ja selber ihr Urteil bilden.

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