2020

Kopf hoch!

Joachim Schuchardt - 24. März 2020 - Quarantäneblock

Wenn alles anders bleibt, wo bleibt dann der Sport? Das ist eine der meistgestellten Fragen bei denen, die berufsmäßig oder per Passion aktuell über die schönste Nebensache der Welt sinnieren. Bislang ist mir das in der Quarantäne nur bedingt gelungen. Schadensbegrenzung war bislang das Motto, und das auch nur intrafamiliär, also innerhalb der Isolation. Sozusagen beruflich wurde ich nun jedoch aufgefordert, auch mal den Kopf zu heben und über den Quarantäne-Tellerrand hinauszublicken. 

In diesem Ansinnen verstecken sich allerdings Tücken. Egal, wie ich es auch angehe, ich gerate in Sackgassen. Fangen wir mal den wenig bis gar nicht relevanten Dingen an: Social Media. Okay, inzwischen könne sie auch von uns lernen, wie sie sich in pandemischen Zeiten körperlich über Wasser halten, ist aber auch nur ein Pausenfüller (Entschuldigung, Kolleg*innen!). Hebt sich aber ab, gegen das, was man sonst so geboten bekommt… aber weiter! Fernsehen und Hörfunk. Nach einem kurzen Zucken der Vernunft kommen die üblichen Muster zum Vorschein. Reporter vor leeren Fußballstadien oder Bundesliga-Trainingsplätzen, die uns fünf Minuten sagen, dass weder sie noch die Bundesliga-Vereine noch ihre Manager irgendwas zu sagen haben, geschweige denn, irgendetwas anderes tun, als auf monetär extrem hohem Niveau zu jammern. Und weil ich ihnen meinen Informations-Dreiklang schon vorgestellt habe, ahnen Sie jetzt, dass ich meine Hoffnung in die Tageszeitung stecke. Aber auch gilt das gleiche: Nach kurzem Zucken…. 

Einzig die Frage, ob wir im Juli Olympia in Tokio erleben dürfen, ist noch offen, oder wird offen gehalten, damit wir weiter im Sumpf der fauligen Sportabstrusitäten weiterstochern dürfen und die Kolleg*innen weiterhin ihre schwefligen Standardphrasen aufblubbern lassen dürfen. Das war böse und eigentlich nicht so gemeint, denn die die Kolleg*innen in den nach wie vor offensichtlich gut funktionierenden Redaktionen ernten von meiner Seite den allergrößten Respekt, den alle verdienen, die in dieser Zeit hart schuften müssen und sich dazu noch der Gefahr einer Ansteckung aussetzen. Ihnen applaudiert keiner abends vom Balkon zu, hingegen flucht man gerne über sie (ich nehme die Worte am Beginn des Absatzes hiermit zurück!), freut sich aber über die Zerstreuung, die sie in Zeiten der Isolation bieten! 

Also von vorne: Wie geht’s weiter mit dem Sport? Keine Zeit mehr, ich muss zu meinen Workouts in unseren heimischen Fitness-Tempel. Wir wollen ja auch in dieser Zeit fit bleiben. Fit bleiben in Oberflächlichkeit, in Gewinn-Orientierung, in Individualismus. Ist während der Krise vielleicht schon wie nach der Krise oder vor der Krise? Mal sehen, denn es bleibt ja alles anders. 

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