2019

Holt die Turnpfeile aus dem Bewegungsköcher, sie werden gebraucht!

Joachim Schuchardt - 21. März 2019 - Innenleben

Nach so viel Herumgehacke auf den Fernseh-Kollegen muss ich Widergutmachung üben. Insbesondere beim SWR. Den hatte ich vergangene Woche ja bereits ein Sonderlob ausgesprochen, das an dieser Stelle vertieft werden soll (Kann man ein Lob vertiefen – oder vielleicht sollte man es besser erhöhen? Egal, Sie wissen was ich meine!). Denn er berichtet – wenn auch im Regionalteil, ein wenig versteckt – vom Kongress „Kinder bewegen“ in Karlsruhe, mitausgerichtet von der Kinderturn-Stiftung Baden-Württemberg und den Kollegen des Badischen Turner-Bundes.

Allein die Tatsache, dass man so etwas zur Kenntnis nimmt, empfinde ich als Sensation. Dabei berichtet der SWR von einer Karlsruher Schule, die die Botschaften der Sportwissenschaftler am Karlsruher Institut für Technologie ernst genommen haben. An dieser badischen Grundschule bewegt man die Kinder einfach mal so vor der Mathe-Stunde mit ein paar kleinen Balance-Übungen und siehe da: Das mit dem Rechnen klappt tatsächlich besser.

Das klingt für uns Menschen in Turn-, Sport- und Jugendverbänden banal und fast schon ewiggestrig, kann aber gar nicht genug wiederholt werden. Denn die Regel ist nach wie vor: Den jungen Menschen hierzulande fehlt es an Bewegung. Und der der Mangel nimmt zu, das zeigt die aktuelle KIGGS-Studie des Robert-Koch-Institutes. Am bedenklichsten: Gerade Mädchen aus unteren sozialen Schichten bewegen sich immer weniger.

Und spätestens jetzt muss ich sagen, das sehe ich uns in der Pflicht. Denn gerade für diese Zielgruppe haben wir Turner genug Pfeile in unserem Angebots-Köcher. Auch wenn die Kollegen bei Spiegel online in ihrem Bericht zum Kongress feststellen, dass der organisierte Sport wohl nicht in der Lage sein dürfte, die Defizite auszugleichen (und sich da auf den Studienleiter bezieht). Nein: Diese Tatsache dürfen wir durchaus als Chance sehen. Denn wenn es die Jungs (auch aus niedrigen sozialen Schichten) noch schaffen, nachmittags zum Fußball-Training zu gehen, dann können wir doch gut und gerne mit (Kinder-)Turnen und Tanzen kontern.

Teurer ist’s auf keinen Fall, denn gerade diese Angebote sind in Turnvereinen wirklich kostengünstig zu bekommen. Und wer die knapp 50 Euro, die so ein Angebot durchschnittlich wohl pro Jahr in unseren Vereinen kostet, nicht bezahlen kann, für den springt entweder das Teilhabe-Gesetz in die Presche oder der turnerische Pragmatismus, den man oft bei uns beobachten kann: dann beschließt man eben schnell mal im Vorstand eine Ausnahmeregelung und setzt den Beitrag aus, damit der schnöde Mammon nicht dem Bewegungsmangel im Wege steht. Wenn das nicht soziale Verantwortung ist!

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