Innenleben

15. April 2019, Joachim Schuchardt - Innenleben

Vorbilder müssen keine Keulen sein!

Jeder hat seine Vorbilder. Fabian Hambüchen ist sicher das Vorbild vieler junger Turner im Hessenländle, Pauline Schäfer jenes der Turnerinnen, zumindest derer, die sich bevorzugt über den Balken zittern. Zumal die Agenturen melden, dass sich die Balken-Weltmeisterin von 2017 bei der Europameisterschaft mit einem furiosen Comeback nach langer Verletzungspause zurückgemeldet habe. Und genau an dieser Stelle musste ich an meine beiden Vorbilder denken. Denn der eine hat sich jetzt abgemeldet und ist mit Sicherheit eines: der größte deutsche Sportler! Genau – gemeint ist Dirk, der sich inzwischen lieber als Texaner bezeichnet (er ist der einzige, dem ich das nicht übelnehme!) und angesichts seiner Körpermaße nicht turnt (was ich gut verstehen kann) und über den mein anderes Vorbild schreibt: „Jeder will ihn als Freund haben“. Stimmt. Hätte ich gerne. Muss ich zugeben. Einfach ein geiler Typ. Mit tränenerfüllten Augen habe ich am vergangenen Mittwoch still vor der Glotze angesichts der Bilder im heute journal getrauert.

Nun habe ich ja die Brücke zu meinem anderen Vorbild schon gebaut, fünf Sätze zuvor konnte man es bereits erahnen, dass es sich wohl auch um einen Schreiberling handelt. Stimmt. „gw“ heißt der Mann, ist inzwischen im Ruhestand und war einst mein Chefredakteur. Auf alle Fälle handelt es sich aber um den begnadetsten Sportkolumnisten im deutschsprachigen Raum. ‚Nun gut‘, sagen Sie nun, ‚was hat das mit diesem Blog zu tun‘. Ganz viel. Denn trotz seiner analogen Herkunft (klassischer Zeitungsjournalist und Kugelstoßer!) bloggt er seit Jahren sehr geistreiches und manchmal auch humoristisches zu Sport, Politik und was (sich) sonst noch so bewegt. Und das auch noch reichlich ideenreich und wortgewaltig. Deshalb empfehle ich die Lektüre auch besonders, genau wie die immer noch gedruckt erscheinende „Anstoß“-Kolumne, samstags in meiner Heimatzeitung. Es ist der etwas andere Blick auf das Sportgeschehen, den ich sehr schätze. Obwohl ich mit meinen Vorbildern durchaus kritisch bin. Was bei Dirk Nowitzki schwerer ist, denn viel Reibungsfläche bietet er nicht. Eigentlich überhaupt keine. Was ihn von meinem anderen Vorbild unterscheidet. Denn davon bietet er reichlich. Was als Kolumnist wohl auch so sein sollte. Womit wir schon bei dem wären, was beide eint und weshalb man sie vielleicht auch beide gerne als Vorbilder haben kann – denn eines tun beide nicht: mit der Moralkeule schwingen und trotzdem aufrecht für die Werte des Sports stehen. Respekt.


Innenleben

04. April 2019, Joachim Schuchardt - Innenleben

Eine Anleitung zum Glücklichsein!

Um mal nahtlos an den letzten Blog anzuknüpfen: BEHPPY – oder: Einfach glücklich sein. Seit Wochen geistern diese sechs Buchstaben durch turnerische Hochglanzbroschüren und bewegte soziale Medien. Aber auch bei Gauturntagen tauchen sie auf, in Verbindung mit dem Hessischen Landesturnfest an der Bergstraße. Zum Beispiel bei Präsentationen, mit denen landauf und landab auf dieses wunderbare Event aufmerksam gemacht wird. Gerne verbindet der einen oder andere Präsentator mit dem Auftauchen der glorreichen Sechs (gemeint sind natürlich die Buchstaben, nicht der Western-Klassiker, das waren ja Sieben!) ein wenig Interpretationslehre. Ist ja auch verständlich. Denn die Buchstaben alleine sprechen ja für nichts. Vor allem weil ihnen eine phonetische Triebfeder fehlt. Oder mehrere. Genau. Vokale.

Ohne Vokale keine Worte. Das weiß nun wirklich jeder. Aber trotzdem liest jeder erstmal das, was er lesen soll. Nämlich die Aufforderung, glücklich zu sein (okay, sie ist in englisch, was Jahn nicht gefallen würde, ist heute aber Usus!). Das ist ja an sich erstmal gut. Oder sind Sie, werte Leser, gerne unglücklich?

Womit wir in der propädeutischen Abteilung unseres Blogs gelandet wären. Ja, eines der zentralen Themen der Philosophie ist nämlich das Glück des Menschen. Was wiederum gut zum Turnen passt (sie verzeihen mir die kleine Unebenheit in der logischen Überleitung) und noch besser zum Turnfest. Aber Obacht, da lauert schon die nächste kleine philosophische Falle! Denn schon die ollen Griechen (genauer, Epikur) unterschieden Eutychia, also die Gunst der Umstände (es ist schon Eutychia, dass sie immer noch weiterlesen!) und Eudamonia, nämlich das Glücksgefühl. Letzteres ist uns gut bekannt. Gelungene Übung am Reck, Abgang gut gestanden – Eudamonia!

BEHPPY ist beides. Kommt selten vor. Ist aber so. Es ist die Verkettung glücklicher Umstände, in BEnsheim und HEppenheim eine sagenhafte TurnPArty veranstalten zu dürfen, die bei jedem Teilnehmer unendliche Glückgefühle erzeugt. Und erzählen sie mir jetzt nichts mehr von einer sinnlosen Aneinanderreihung von Buchstaben bei der auch noch Vokale fehlen! Seien sie doch einfach glücklich und kommen Sie zum Turnfest. Sie haben noch eine Woche Zeit, sich anzumelden.


Innenleben

01. April 2019, Joachim Schuchardt - Innenleben

Wenn Turnen unernst wird, wird Lachen zur Pflicht!

Holla, das Datum lädt zum Scherzen ein. Und die Turnerei bietet nun wirklich ausreichend Oberfläche (und Tiefe :-)), um sich auf humoristische Weise mit ihr auseinanderzusetzen. Aber irgendwie ist es ein wenig so, dass wir das weitgehend aus den Augen verloren haben. Das war nicht immer so. Vor gut hundert Jahren haben sich unsere altvorderen Turner gerne über sich selbst lustig gemacht. Das wirkt aus heutiger Sicht zwar ein wenig verstaubt und eventuell außerhalb der vielbeschworenen Political Correctness, kommt aber durchaus reizvoll daher. Vor gut einem halben Jahr hat der Kollege Pappert in einer Ausgabe von Turnen in Hessen einige bemerkenswerte Reliquien jener Zeit zusammengetragen und abgebildet. Nicht nur zu meinem Amüsement.

Trotzdem. Ich kann mich des Eindruckes nicht erwehren, wir Turner verlernen das Lachen immer mehr. Und ich glaube den Grund zu kennen. Wir sind viel zu korrekt. Nicht nur politisch. Wahrscheinlich liegt es in der Natur der Dinge, dass das so sein muss. Denn Turnen ist erst einmal neutral. Es ist weder lustig, noch ernst; es ist erst mal weder gut noch schlecht. Es ist einfach: Turnen. Erst mit einer spezifischen Zuweisung innerhalb unserer Wahrnehmung machen wir das Turnen zu dem, was es ist: was ernstes.

Gut, dafür, das in unserem Hirn ein Ernst-Hormon ausgestoßen wird, wenns um dieses durchaus heitere Thema geht, gibt es noch weitere Gründe. Ernste Rahmenbedingungen (zeigen Sie mir doch mal eine witzige Stelle im Code de Pointage), ernste Trainer (darf ich sie mal zu einem Landesturntag einladen?), ernste Funktionäre (diese Klammer muss leider leer bleiben!), ernste Correctness (eigentlich hätte ich ja Trainer*innen und Funktionär*innen schreiben müssen). Deshalb signalisiert uns irgendeine zerebrale Region: Achtung – jetzt geht’s um Turnen, also weg mit dem Spaß.

Deshalb mein Appell zum 1. April, dem offiziellen Scherzkeks-Tag. Macht mehr Witze über’s Turnen. Ohne gleich zotig zu werden, also mit Wortwitz, Esprit und natürlich Tiefgang (gilt besonders für den Autor dieser Zeilen!). Schaltet euer Hirn um (nicht aus …) und macht das Turnen zu dem, was es einst war: eine fröhliche, oft auch lustige Angelegenheit. Übrigens gibt es dieses Jahr wieder eine durchaus heitere Gelegenheit, Turnen unernst zu erleben. In Heppenheim und Bensheim. Beim Landesturnfest. In diesem Sinne. BEHPPY!


Innenleben

21. März 2019, Joachim Schuchardt - Innenleben

Holt die Turnpfeile aus dem Bewegungsköcher, sie werden gebraucht!

Nach so viel Herumgehacke auf den Fernseh-Kollegen muss ich Widergutmachung üben. Insbesondere beim SWR. Den hatte ich vergangene Woche ja bereits ein Sonderlob ausgesprochen, das an dieser Stelle vertieft werden soll (Kann man ein Lob vertiefen – oder vielleicht sollte man es besser erhöhen? Egal, Sie wissen was ich meine!). Denn er berichtet – wenn auch im Regionalteil, ein wenig versteckt – vom Kongress „Kinder bewegen“ in Karlsruhe, mitausgerichtet von der Kinderturn-Stiftung Baden-Württemberg und den Kollegen des Badischen Turner-Bundes.

Allein die Tatsache, dass man so etwas zur Kenntnis nimmt, empfinde ich als Sensation. Dabei berichtet der SWR von einer Karlsruher Schule, die die Botschaften der Sportwissenschaftler am Karlsruher Institut für Technologie ernst genommen haben. An dieser badischen Grundschule bewegt man die Kinder einfach mal so vor der Mathe-Stunde mit ein paar kleinen Balance-Übungen und siehe da: Das mit dem Rechnen klappt tatsächlich besser.

Das klingt für uns Menschen in Turn-, Sport- und Jugendverbänden banal und fast schon ewiggestrig, kann aber gar nicht genug wiederholt werden. Denn die Regel ist nach wie vor: Den jungen Menschen hierzulande fehlt es an Bewegung. Und der der Mangel nimmt zu, das zeigt die aktuelle KIGGS-Studie des Robert-Koch-Institutes. Am bedenklichsten: Gerade Mädchen aus unteren sozialen Schichten bewegen sich immer weniger.

Und spätestens jetzt muss ich sagen, das sehe ich uns in der Pflicht. Denn gerade für diese Zielgruppe haben wir Turner genug Pfeile in unserem Angebots-Köcher. Auch wenn die Kollegen bei Spiegel online in ihrem Bericht zum Kongress feststellen, dass der organisierte Sport wohl nicht in der Lage sein dürfte, die Defizite auszugleichen (und sich da auf den Studienleiter bezieht). Nein: Diese Tatsache dürfen wir durchaus als Chance sehen. Denn wenn es die Jungs (auch aus niedrigen sozialen Schichten) noch schaffen, nachmittags zum Fußball-Training zu gehen, dann können wir doch gut und gerne mit (Kinder-)Turnen und Tanzen kontern.

Teurer ist’s auf keinen Fall, denn gerade diese Angebote sind in Turnvereinen wirklich kostengünstig zu bekommen. Und wer die knapp 50 Euro, die so ein Angebot durchschnittlich wohl pro Jahr in unseren Vereinen kostet, nicht bezahlen kann, für den springt entweder das Teilhabe-Gesetz in die Presche oder der turnerische Pragmatismus, den man oft bei uns beobachten kann: dann beschließt man eben schnell mal im Vorstand eine Ausnahmeregelung und setzt den Beitrag aus, damit der schnöde Mammon nicht dem Bewegungsmangel im Wege steht. Wenn das nicht soziale Verantwortung ist!


Innenleben

14. März 2019, Joachim Schuchardt - Innenleben

Dem deutschen Turnen fehlt der Glamour

Nein, es soll keiner vergrault werden. Aber ich muss mal mit der Medienschelte weitermachen. Und zwar ungefähr dort, wo ich in der letzten Woche aufgehört habe. Bei der Sportschau. Könnte aber auch das Konkurrenzprodukt sein, das eine Stunde früher über den zweiten öffentlich-rechtlichen Kanal flimmert und sich Sport Reportage nennt. Und wie das so ist, wenn man fundiert Kritik üben will: Wir schicken ein Lob vorne weg. Denn es ist ja eine helle Freude, wenn sozusagen zur besten Sport-Sendezeit am Sonntagnachmittag Turnen gesendet wird. Anlass genug gab es ja, für die Fußballredaktionen, die sich gerne mit dem Begriff Sport aufzuwerten suchen, eine Ausnahme von der Kickerregel zu machen und tatsächlich vom DTB-Pokal in Stuttgart berichteten. Nochmal – besonders angesichts des vielen Gegrummels – ein dickes Lob. Fünf-Minuten-Berichte, vorher angekündigt, und nicht nur ein kurzes Standbild im Nachrichtenblock. Die Kollegen in Schwaben scheinen einen guten Draht in die Redaktionen zu haben und selbigen schon jetzt im Hinblick auf die WM im Herbst so richtig am Glühen zu halten. Noch mehr Lob.

Doch gerade im Sinne der Schwaben wollen wir es mit dem Lob aber nicht übertreiben. Denn diese wirklich wunderbare Turnveranstaltung ging über die beiden Tage eines Wochenendes. Samstag und Sonntag. Nur, dass am Sonnabend halt die Herren turnten. Im Umkehrschluss der Fußball- (pardon: Sport-)Redaktion auf dem Mainzer Lerchenberg sollte das doch für das Sportstudio genügen, so mein kruder Gedankengang, denn Frauenfußball kommt nach elf am Samstagabend ja auch nicht vor. Krude, wie gesagt. Natürlich nicht. Drei Zweitligaspiele kickender Herren in aller langweiligen Ausführlichkeit überdecken natürlich das spannende und in diesem Falle männliche Geschehen in der Stuttgarter Turn-Halle. Will heißen: Turnen – Fehlanzeige. Soweit des Gegrummels erster Teil.

Kommen wir also zum Sonntag. Denn es klingt ja erstmal super. Ausführliche Berichte von einem hochklassigen Turnspektakel. Und dazu noch ein Livestream des „gastgebenden“ SWR. Fast. Denn was es zu sehen gab war eher eine Personality-Show der Simone Biles. Um es gleich vorwegzunehmen: Die Texanerin ist ein Ausnahmetalent - und ihre turnerischen Leistungen nicht nur spektakulär sondern eine echte Augenweide. Doch vielleicht hätte den Berichterstattern auffallen können, dass dort noch mehr Turnerinnen (ups, stimmt, auch Eli Seitz fand kurz mit ihrer Weltklasse Stufenbarren-Übung statt) an den Start gingen und das Ganze sogar als sportlicher Wettbewerb mit Spannungsbögen auf allerhöchstem Niveau. Und nochmal kurz zur Erinnerung für die Kollegen in den Redaktionen: Am Tag zuvor waren auch Männer am Start, und auch aus nationaler Sicht nicht ganz so schlecht, denn Marcel Nguyen schaffte einen überraschenden vierten Platz im Weltklasse-Feld. Dass das Ganze noch durch eine Team-Challenge abgerundet wurde, und die deutschen Turner sogar mit Silber auftrumpften, fand dann keinen Platz mehr in den Reportagen. Warum auch? Nicht genügend Glamour, vermute ich. Doch wie hieß es früher: „Turnen ist mehr…“. Viel mehr als Glamour. Sicher.

Foto: DTB


Innenleben

11. März 2019, Joachim Schuchardt - Innenleben

Ein heißes Eisen macht noch keine Hysterie

Manchmal muss man ja froh sein, dass man Turner ist. Stellen Sie sich mal vor, wir würden hier über Leichtathletik reden. Oder über Radfahren. Jeder dritte Satz hätte Doping oder Betrug zum Inhalt. Gottseidank ist das hier ein wenig anders, was wohl daran liegt, dass im Turnen Doping wenig effektiv und beim Einsatz von den NADA-Kontrolleuren schon an der Urinfarbe erkannt würde (anabole Steroide). Ich weiß, jetzt provoziere ich Schelte, denn das riecht nach turnerischer Überheblichkeit, zu behaupten, die Sportarten, über die hier schwadroniert wird, die seien moralisch außen vor. Nein, so ist es nicht gemeint. Ich vermute, auch beim Turnen wurde schon gedopt, vermutlich wird es auch noch. Aber es ist nicht einmal die Ausnahme, die eine Regel bestätigen könnte. Und der Grund liegt auf der Hand: turnerischer Erfolg führt nur in den allerwenigsten Fällen zu wirtschaftlichem Erfolg.

So weit, so gut. Aber aus dieser Haltung heraus, würde es mir ja leichtfallen, mit dem ausgestreckten Studienrats-Zeigefinger auf die Leichtathleten, Kraftsportler, Radfahrer, Biathleten, und Nordischen zu deuten. Will ich nicht. Im Gegenteil. Ich will sie mal in Schutz nehmen. Aber bevor ich das tue, will ich Ihnen versichern, dass ich Doping für verabscheuenswürdigen Betrug halte, den es unbedingt zu verfolgen und bestrafen gilt.

Lassen Sie es mich aber trotzdem mal anders beleuchten. Zum Beispiel am Beispiel der russischen Leichtathletik. So berichtete in ungeahnter Plakativität (nennen wir es mal vorsichtig so) die Sportschau gestern über Listen aus dem Kreml, in dem immer noch Trainer auftauchen, deren Athleten gedopt hatten oder von ihnen offenkundig zu selbigem angeleitet worden waren. Ein extrem unschöner Vorgang. Zweifelsfrei.

Nun lassen sie uns aber mal die Bälle flach halten (um es mit meinen geschätzten Zweier-Prellballern zu sagen!). Doping ist Betrug. Kein Zweifel. Wir müssen uns aber nicht als Scharfrichter aufspielen. Denn es geht nicht um Mord oder einen Terrorakt. Etwas weniger Hysterie würde uns wirklich guttun. Auch wenn da ein Arzt in Erfurt oder ein Trainer in Moskau gleich mit mehreren Sportlern systematisches Blutdoping betrieben hat – nein, es ist nicht die Camorra, die hier die Strippen zieht. Lasst uns Menschen, die so etwas tun, nicht behandeln wie Kindermörder. Sondern wie die Straftäter, die sie sind. Nicht mehr und nicht minder. Grauseligste Verschwörungstheorien – egal ob in Thüringen oder in Russland sind da wenig zielführend. Zumal es noch viel mehr unschöne Ausprägungen im Sport gibt. Nur das übersehen wir gerne, oder nehmen es wohlwollend hin. Viel mehr, als uns lieb sein kann.

Doch von all dem will ich mir den Spaß an der Bewegung nicht vermiesen lassen. Auch wenn es sich medial mehr oder minder gut aufbereiten lässt. Gerade in einer Zeit, in denen wir in Blogs oder in sozialen Netzwerken so wunderbar schwadronieren können. Mit viel Scharfrichterei und ohne nötiges Augenmaß. Ich werde es mir zu Herzen nehmen.


Innenleben

28. Februar 2019, Joachim Schuchardt - Innenleben

Das Silicon Valley liegt in der Hasenheide

Turner wenden dann doch alles zum Guten. Nehmen wir unsere gute alte HTV-Geschäftsstelle. Bei uns wird nämlich seit neuestem agil gearbeitet. Selbstverständlich, könnte man meinen: Wer, wenn nicht Turner ist wohl agil? Was aber an dieser Stelle eigentlich nicht im sportlichen Wortsinn gemeint ist. Agiles Arbeiten ist ja DAS Schlagwort – und nicht mehr nur bei Berliner Start-Ups , sondern auch in langweiligen Sportverwaltungen. Es klingt aber auch gut, was da 2010 in der Arbeitswelt auftauchte: In einem Aufsatz wurden durch den amerikanischen Entrepeneur und Unternehmer Jason Shah wissenschaftlich fundiert vier Grundsätze für agiles Arbeiten und die damit einhergehenden Work Hacks definiert:"

  • "Try something new every day."
  • „Stay fit, active and healthy."
  • „Allocate your time wisely."
  • „Don’t waste time in meetings."

Könnte auch vom Turnvater Jahn stammen, wenn es in deutscher Sprache verfasst, etwas umständlicher formuliert und in einem anderen Kontext entstanden wäre. Auf der Hasenheide zum Beispiel und nicht im Silicon Valley.

Aber zurück zur modernen Arbeitswelt des Turnens und weg von wilden Theorien. Denn eigentlich sind sie cool, die Hacks. Nehmen wir die frisch eingeführte Fokuszeit in unseren Geschäftsstellen. Jeden Tag von 11 Uhr bis 12 Uhr: keine Telefonate, keine E-Mails, keine Besprechungen. Stattdessen ruhiges, konzentriertes, inhaltliches Arbeiten zu wichtigen Themen und Fragestellungen und fokussierte Erledigung wichtiger Aufgaben.

So etwas schlägt durch. Tatsächlich. Es gelingt auf einmal, Freiräume zu schaffen, um Dinge zu tun, die sonst immer auf der Strecke bleiben. Zum Beispiel dieser Blog. Mindestens einmal in der Woche soll er künftig wieder mit Leben gefüllt werden. Die Fokuszeit macht’s möglich. Ob die vier Grundsätze von Jason Shah eingehalten werden - da kommen Zweifel auf. Schließlich soll man (siehe Bulletpoint 3) seine Zeit schlau oder gar weise verbringen und einteilen. Ob das gelingt, sei dahingestellt. Es obliegt Ihnen, liebe Leser, das zu beurteilen. Künftig wöchentlich. Das ist eine ernste Drohung. Denn die 2.100 Zeichen an dieser Stelle sind mir tatsächlich in nicht einmal einer Stunde Fokuszeit gelungen. Geht doch.
Und jetzt geht’s ab in die bewegte Mittagspause. In den Kraftraum des Olympistützpunktes. Echte Agilität. Im turnerischen Wortsinne. Übrigens mein liebster Work Hack.


Was Turner verdienen

11. August 2018, Joachim Schuchardt - Innenleben

Glasgow und Berlin sind in aller Munde. Und das Turnen dazu. Mini-Olympia mit den großen Individiualsportarten Leichtathletik, Schwimmen und natürlich den Gerätturnerinnen und Gerätturnern. Und eigentlich kann man den Verantwortlichen in den europäischen Spitzensportverbänden nur gratulieren. Denn das Konzept geht auf. Denn wer kann sich schon erinnern, außerhalb Olympischer Spiele die Turnkünste an einem Wochenend-Nachmittag zur Prime Time live zu erleben. Ein seltener Genuss. Zehn Tage lang geht und ging das nun so. Mit Rudern, Kunstspringen, Triathlon und Bahnradfahren.

Das Ganze grenzt an ein kleines Wunder. Ich kann mich nicht erinnern, in über 20 Jahren Live-Schalten der öffentlich-rechtlichen Sender zu einem Vorkampf einer EM – zumal nicht in Deutschland – erlebt zu haben. Und dann auch noch Turnerinnen außerhalb des engsten Favoritenkreises nicht-deutscher Provinienz zu sehen. Einfach so. Unfassbar. Da bemerkten selbst die Kommentatoren von ARD und ZDF, dass sie Teil von etwas Medial-Besonderem sind. Immer wieder waren Beteuerungen zu hören, dass die European Championships ein herausragendes Ereignis seien – abseits des Fußballs. Stimmt. Oder vielleicht doch nicht. Lassen sie uns mal genauer hinsehen. Denn möglicherweise hat das eine nichts (mehr) mit dem anderen zu tun. Denn was so gut wie alle Starter bei den EM‘s eint: Sie wissen kaum, wie sie ihren Leistungssport mit ihrem „sonstigen Leben“ in Einklang bringen sollen, denn es mangelt in fast allen Fällen an monetärer Unterstützung. Sieht man von Ausnahmen wie einst Fabian Hambüchen ab, gilt das für unsere Turnerinnen und Turner ebenso wie für den Zehnkämpfer Arthur Abele oder Radfahrerin Trixi Worrack. Schauen Sie sich das mal an und fragen Sie sich doch mal, was Balken-Weltmeisterin Pauline Schäfer überwiesen bekommen könnte. Und was sonst noch so dazu kommen könnte…

Nein, auf Vergleiche mit den Neymars dieser Welt soll an dieser Stelle verzichtet werden. Aber festzuhalten bleibt, dass kein einziger Viertliga-Kicker in dieser Republik für die paar Kröten über den Rasen rasen würde. Das ist nicht neu, das weiß ich auch. Und eine alte, vielleicht nicht ganz ernst gemeinte Forderung eines früheren Vizepräsidenten bahnt sich ihren Weg: „Lass uns die Fußball-Berichterstattung in den Zeitungen dahin tun, wo sie hingehören. In den Wirtschaftsteil.

Das sollten man doch mal zu Ende denken. Eine kleine, aber feine Idee: Nicht mehr die Befindlichkeiten und muskulären Probleme (von was eigentlich, bei einem Spiel pro Woche?) der Spieler heimischer Bundesligisten prägen die Schlagzeilen auf der Titelseite des Sportteils in der Freitagszeitung, sondern das Volleyball-Champions-League-Spiel zwischen Friedrichshafen und Udine vom Vorabend. Man könnte sich mit dem Gedanken anfreunden, zumal man in der Wochenend-Kolumne meiner Lokalzeitung endlich auch mal einen Hinweis auf das anstehende Derby in der Tennis-Oberliga zwischen den beiden heimischen Vertretern fände. Sport ist pluralistisch. Die Medien können das widerspiegeln. Auch ohne einen ewigen Reflex auf den Fußball. Er ist nur ein Teil. Und er wird durch genau diese Reflexe von uns Medienschaffenden überhöht. Das haben die anderen Sportler nicht verdient. Schon gar nicht während eines so wunderbaren Großereignisses wie den European Championships.

 

 


Innenleben

23. Februar 2018, htvuser - Innenleben, Olympische Winterspiele 2018

Eine unvergessliche Zeit!

Die letzten Tage in Korea sind angebrochen. Am Dienstag besuchten wir in Begleitung von Stabsfeldwebel Scherfling, der in Korea im Militärstab der Deutschen Botschaft arbeitet, die Demilitarisierte Zone zwischen Nord- und Südkorea. Die Anspannung in der Gruppe war deutlich zu spüren und es gab auch einige Regeln zu beachten. So durften bspw. die Wachposten auf gar keinen Fall angefasst oder angesprochen werden.

Wir wurden von zwei amerikanischen und einem neuseeländischen Soldaten begleitet, die uns vor Ort die Gebäude zeigten und uns durch das Grenzgebiet führten. Besonders spannend war das nordkoreanische Dorf, das wir von einem Ausgangspunkt aus sehen konnten. Uns wurde erklärt, dass die Fenster teilweise nur aufgemalt sind, die Häuser keine Stockwerke haben und das Dorf damit nur zu Propagandazwecken aufgebaut wurde. Nordkoreanische Propagandalieder schallten in unsere Richtung und die weltgrößte Flagge, die Nordkorea gehisst hat, war nicht zu übersehen.

An der Grenze selbst waren keine nordkoreanischen Soldaten zu sehen, sodass man keinen direkten Kontakt beobachten konnte. Jedoch herrscht zwischen Nord- und Südkorea immer wieder ein Wettstreit um das größte Gebäude oder um die größte Flagge. Ich habe mir die Stimmung auch auf Grund der deutschen Presse sehr viel angespannter und feindseliger vorgestellt.

Wie schnell doch die Zeit vergeht! Den letzten Abend verbrachten wir gemeinsam mit unseren koreanischen Freunden. Ein buntes Programm aus einer Taekwondo-Show, Gesang und einem Videorückblick auf unsere Zeit bei den Olympischen Spielen in Südkorea. Ein gelungener Abschluss einer unvergesslichen Zeit!

Und dann hieß es auch schon Sachen packen. Bevor es zum Flughafen ging, hatten wir noch kurz Zeit einige Souvenirs aus Seoul zu kaufen. Ich bin sehr dankbar für alle Erfahrungen, die ich gemeinsam mit dem Deutschen Olympischen Jugendlager in Südkorea sammeln durfte, denn diese Erinnerungen sind einmalig und werden mich wahrscheinlich mein ganzes Leben begleiten. - Rieke -


Innenleben

21. Februar 2018, htvuser - Innenleben, Olympische Winterspiele 2018

Das war unbeschreiblich!

Die Woche startete mit einem Besuch im olympischen Dorf. Wir hatten das Privileg vor Ort in der Kantine essen zu dürfen und das Büro des Team-Deutschland zu sehen. In der Kantine trafen wir auf Arnd Peiffer und weitere Biathleten. Zurück im Deutschen Haus habe ich mich kurz mit Fabian Hambüchen ausgetauscht und auch ein Foto mit ihm machen können, bevor das Treffen mit der hessischen Delegation anstand. Wir konnten unsere Sorgen und Wünsche für den Sport in Deutschland äußern und sowohl über positive, wie auch negative Aspekte diskutieren. Themen waren u. a. E-Sport, die duale Karriere von Spitzensportlern, sowie die Förderung und Unterstützung durch den Landessportbund Hessen.

Weiter ging es zum Skispringen mit dem Team Finale. Was eine atemberaubende Stimmung. Gemeinsam mit allen 40 Teilnehmern und den zehn Betreuern des Jugendlagers feuerten wir unsere Jungs lautstark an. Das ein oder andere Mal waren wir sogar im Fernsehen zu sehen, wie mir Freunde aus Deutschland mitteilten. Am Ende hieß es dann tatsächlich Silber für Team Deutschland. Herzlichen Glückwunsch an Karl Geiger, Stephan Leyhe, Richard Freitag und Andreas Wellinger!

Viele Grüße, Rieke


Innenleben

19. Februar 2018, htvuser - Innenleben, Olympische Winterspiele 2018

Wie lebt eigentlich eine koreanische Familie?

Die Antwort darauf durfte ich bei einem Austausch in der Küstenstadt Gangneung erleben. Gemeinsam mit 40 koreanischen Jugendlichen besuchten wir unterschiedliche Sehenswürdigkeiten und den Strand von Gangneung. Den Abend verbrachten wir dann in den jeweiligen Gastfamilien. Damit bot sich uns die einzigartige Möglichkeit in das Familienleben der Koreaner zu schnuppern. Die Gastfamilie war sehr freundlich und offen. Ich wurde herzlich empfangen und hatte eine super Zeit. Zu essen gab es sehr leckeren koreanischen Bulgogi und wie bei den Koreanern üblich, wurde die Mahlzeit auf dem Boden zu sich genommen. Auch geschlafen habe ich auf einer dünnen Decke auf dem Boden. Die Fußbodenheizung sorgte für die Wärme. Eine tolle Erfahrung!

Ein paar Impressionen vom Austauschprogramm in Gangneung:


Innenleben

17. Februar 2018, htvuser - Olympische Winterspiele 2018, Innenleben

NANTA-Show, K-Pop und spannende Gespräche

14. bis 16. Februar:

Am Morgen stand Ski Alpin Frauen Slalom auf dem Plan. Aufgrund des Wetters musste der Wettkampf jedoch leider abgesagt werden. Im Deutschen Haus sprachen wir später mit dem DOSB-Präsidenten Alfons Hörmann, Petra Tzschoppe, Walter Schneeloch und Jan Holze, die sehr offen und ehrlich unsere Fragen beantworteten. Mit viel Applaus und La-Ola-Welle wurde am Abend Goldmedaillengewinner Eric Frenzel im Deutschen Haus begrüßt.

Die Teilung und die damit verbundene Geschichte Süd- und Nordkoreas standen am Donnerstagmorgen im Mittelpunkt. Außerdem wurde uns ein sehr realistisches Bild von der jetzigen Situation vermittelt. Man hat gemerkt, dass die Medien einen sehr großen Einfluss auf uns haben und nicht alle Informationen mit der Realität übereinstimmen. Im Anschluss besuchten uns Mitarbeiter der deutschen Botschaft in Seoul im YMCA-Hotel und boten uns einen interessanten Einblick in ihre Arbeit und Aufgabenbereiche. Am Abend besuchten wir die NANTA-Show in Seoul. Ein Mix aus Komödie, Kochshow und Trommelauftritten, die auf sehr unterhaltsame Weise einen Teil der koreanischen Kultur vermittelte. Der Abschluss war dann ein Karaoke-Abend mit der gesamten Gruppe, der natürlich den Spaßfaktor voll und ganz erfüllte.

Schon über eine Woche sind wir bereits in Südkorea unterwegs und lernen wirklich einiges kennen. Und auch am Freitag wartete wieder ein spannendes Programm auf uns:

  • Doping-Workshop mit Arne Machetanz, einem Teilnehmer und Juniorbotschafter der NADA.
  • Paralympics-Workshop mit Maria Mayer, die uns verschiedene Sportarten vorstellte.
  • Sportspaßturnier mit abgeänderten Wettbewerben: Sportarten wie Biathlon nachahmen oder Blindenfußball und Sitzvolleyball. Alle Wettbewerbe wurden von den Teilnehmern gestaltet.
  • Einführung in die Faszination K-Pop mit Nele Uhlmann.

In unserer Freizeit am Abend machten wir den Food Markt unsicher. Wir probierten verschiedenste koreanische Kleinigkeiten und waren meist sehr positiv überrascht.

Viele Grüße aus Korea, Rieke


Innenleben

14. Februar 2018, htvuser - Olympische Winterspiele 2018, Innenleben

Ein Highlight folgt dem nächsten ...

Nach dem Treffen mit dem Bundespräsidenten folgte am 11. Februar gleich der nächste Höhepunkt: Ein Treffen mit Adidas im Deutschen Haus! Wir plauderten mit Lena Gercke und Laura Ludwig, den Vertreterinnen der Marke, über die Spiele und unseren Sportalltag. Außerdem beschrieb Laura ihre erfolgreiche Vorbereitung mit Kira Walkenhorst auf die Olympischen Spielen in Rio 2016, die ihnen zu Gold verhalf.

An der Rodelstrecke fieberte ich mit den deutschen Rennrodlern. Am Ende wurde Johannes Ludwig Dritter und Felix Loch leider nur Fünfter. Außerdem habe ich Andreas Wellinger, Olympiasieger 2018 im Skispringen, getroffen.

Am nächsten Tag stand dann eine interkulturelle Stadtrallye mit südkoreanischen Jugendlichen durch Seoul auf dem Programm. Die Rallye wurde in Zusammenarbeit mit dem Goethe Institut organisiert und hat sehr viel Spaß gemacht. Mit dem Korean Barbecue folgte dann auch noch ein kulinarisches Highlight.

Beim Besuch des Shorttrack-Wettkampfes am 13. Februar war ich vor allem von der Schnelligkeit dieser Sportart fasziniert. Shorttrack darf man nicht mit Eisschnelllaufen verwechseln, da sich die Athleten nur eine Spur teilen. Das bedeutet, dass es sehr viel schwieriger ist zu überholen und der Wettkampf somit sehr spannend wird.

Bis bald, Rieke


Innenleben

10. Februar 2018, htvuser - Olympische Winterspiele 2018, Innenleben

Bundespräsident und Gold für Deutschland

9. Februar, Seoul:

Der erste 'ganze' Tag in Südkorea begann um 8.30 Uhr mit dem Frühstück. Neben südkoreanischem Reis gab es für uns auch eher westliches Frühstück: Toast und Cornflakes. Boris aus dem Betreuerteam hat mit uns einen Rundgang durch die Unterkunft gemacht und danach durften wir uns über eine kurze Einführung über Seoul von Jonas Kuhlmann freuen.

Zum Mittagessen gab es die koreanische Beilage Kimchi (Weißkohl), die zu fast jedem Essen serviert wird. Außerdem wurde Reis mit Gemüse serviert. Die Herausforderung mit Stäbchen zu essen wurde von den Meisten angenommen und auch größtenteils gemeistert. Aller Anfang ist schwer, aber mit etwas Übung wird man immer besser.

Danach stand der Besuch der Internationalen Oberschule auf dem Programm. Die Begrüßung war sehr herzlich und es machte Spaß sich mit koreanischen Jugendlichen auszutauschen. Nach einem sehr lustigen Sprachkurs durften wir die traditionelle Tracht (Hanbok) anziehen und lernten mehr über K-Pop. Am Abend schaute das gesamte Jugendlager im YMCA den Livestream der Eröffnungsfeier.

10. Februar:

Wir starteten mit einem Workshop zum Thema Olympia in den Tag. Danach stand ein Treffen mit dem Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier im Deutschen Haus an. Er hat sich mit uns ausgetauscht und über unsere Hobbys und Jugendsport in Deutschland unterhalten.

Im Anschluss besuchten wir noch das Biathlon 7.5 km Sprint-Finale der Damen und fieberten mit, als Laura Dahlmeier die erste deutsche Goldmedaille dieser Spiele gewann. Die Stimmung war überwältigend und es war einfach schön diesen Erfolg mit ihr feiern zu können.

Bis bald, Rieke


Innenleben

08. Februar 2018, htvuser - Innenleben, Olympische Winterspiele 2018

Heute geht es endlich los!

In Frankfurt angekommen startete das gemeinsame Programm um 10 Uhr morgens. Zuerst wurde auf fairem Wege festgelegt, welche Wettkämpfe jeder Teilnehmer zu sehen bekommt.

Ich werde beim Biathlon, Rodeln, Short Track, Ski Alpin (Slalom) und Ski Freestyle hautnah dabei sein und das deutsche Team unterstützen. Nach dem Mittagessen im Landessportbund Hessen sind wir dann gemeinsam zum Flughafen gefahren und haben uns für die Reise bereit gemacht. Die Vorfreude wurde mit jeder Minute größer und man kann sagen, dass wir eine super Gruppe sind und uns alle sehr gut verstehen.

In Doha legten wir dann nach sechs Std. Flug einen Zwischenstopp ein und hatten Zeit den riesigen Flughafen zu erkunden. Da wir mit der offiziellen Olympiakleidung, also im Partnerlook, unterwegs waren, wurden wir hier und da auch mal angesprochen oder sogar nach Fotos gefragt. Der zweite Flug dauerte etwa neun Std. Ich konnte mich trotz allem auf dem Flug erholen und die Zeitdifferenz von 8 Std. war bis jetzt kein großes Problem. Gegen 19 Uhr haben wir dann am 08. Februar 2018 im YMCA Hotel in Seoul eingecheckt und die Zimmer bezogen. Von Schwimmbad bis Turnhalle hat unsere Unterkunft alles zu bieten, sodass man sich auf einen entspannten und aufregenden Aufenthalt freuen kann.

Rieke Kurtenacker


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07. Februar 2018, Joachim Schuchardt - Innenleben

Werbung muss sein

Auch das darf gesagt werden: Für junge Kollegen muss man auch mal Werbung machen dürfen. Besonders im Kontext von großem Sport. Wir haben nämlich keine Kosten und Mühen gescheut, eine Turnerin im deutschen Olympia-Team zu platzieren. Nun werden Sie fragen, wie dass denn sein kann, denn der Schwebebalken oder der Stuffenbarren wirkt auf der Skispungschanze oder im Eiskanal ein wenig deplatziert. Stimmt. Wir machen das perfider. Denn die junge Rieke Kurtenacker aus Limburg ist für uns nämlich im Deutschen Olympischen Jugendlager zu Pyoenchang am Start, zählt zu den 40 Auserwählten aus allen Bereichen des olympischen Sports, die in Korea die Luft des ganz großen Sports schnuppern darf. Und weil Rieke eine nette jugen Turnerin ist, versorgt sie uns mit Hintergrundinfos aus Korea, berichtet uns von hinter den Kulissen. Worauf sich nicht nur Schu ganz besonders freut, denn was kann schöner sein, als Winterspiele mit Turneraugen zu beleuchten. Wir dürfen uns drauf freuen. Und natürlich Werbung dafür machen.


Innenleben

06. Februar 2018, Joachim Schuchardt - Innenleben

Blogge geht weiter

Manchmal freut es den Blogger ja, dass jemand zur Kenntniss nimmt, dass es nichts zur Kenntniss zu nehmen gibt. Auch wenn es nur ein einziger ist. Das ist dann doch Anlass genug, sich ein paar Minuten aus dem knapp bemessenen HTV-Zeit-Budget zu schneiden und ein paar Zeilen für die digitale Ewigkeit zu verfassen. Zumal gerade das gesamte HTV-Netzwerk samt Outlook und sonstiger binären Quälereien kollabierte und nur das "good ole" internet weiter seinen Dienst versieht. 

Will heißen: Irgendwas digitales geht immer, oder: blogge geht weider, um den großen Fußball-Philosophen und Pilsstuben-Besitzer aus Frankfurt-Enkheim abgewandelt zu zitieren.

Dabei handele ich wieder besseres Wissen. Denn es geziemt sich nicht, die profanen Balljünger im Kontext des überirdischen Turnen zu erwähnen. Und das auch noch auf einer Homepage einer turnerischen Institution, sozusagen eines Turner-ORGANS (ja, fürher war der Hessenturner nicht etwa nur einfach die Zeitschrift des HTV, sondern sein offizielles ORGAN!). Denkt man das jetzt digital zu Ende, würde das wohl heißen, dass htv-online.de inzwischen das hinreichend seriöse Verlautbarungs-Medium unseres Verbandes ist. Denn alles, was früher der Hessenturner konnte, kann heute unsere Homepage: Lehrgänge (was für ein hübsches, fast in Vergessenheit geratenes Wort!) anpreisen und buchen, Ergebnisse von Kunstturnwettkämpfen (erinnern sie sich noch an diese Sportart?) nachblättern, Infos von Sitzungen abrufen.

Das Digitale hat die Welt verändert, auch uns Tuner und unsere ORGANE. Aber am Ende sind wir  einfach nur Menschen, mit Herz und Nieren und all den anderen Organen. Das unterscheidet uns weder von Chinesen noch von Fußballern oder Aristoteles. Wir alle wollen ein erfülltes Leben. Dass das allerdings mit Turnen noch erfüllter ist, wissen wir erst seit Jahn. Oder doch nicht?


Innenleben

24. Oktober 2017, Joachim Schuchardt - Innenleben

Buch und Bundestag

Heute soll einmal der Wind des Großen durch diesen Blog wehen, denn es ist ein historischer Tag. Zum einen konstituiert sich der 18. Bundestag genau während diese Worte geschrieben werden, zum ersten Mal seit vielen Jahrzehnten mit sechs Parteien auf den Parlamentarierbänken. Und in den Buchhandlungen rund um das Parlament (und anderswo in der Republik) liegt seit heute das neue Buch von Fabian Hambüchen in den Stapeln obenauf.

So überschlagen sich die Medien. In den Liveblogs der Wahl zum Bundestagspräsidenten kocht das Duchfallen des Herrn Glaser (aus Frankfurt, sic!) hoch. Und bei Bild.de rauschen die ersten Zitate aus der Hambüchen-Schreibe über den Bildschirm. "Du bist ein arrogantes A.... geworden", kann man da als Zitat des Vaters über den Sohn nachlesen.  Okay, das ist aus dem Zusammenhang gerissen und nur wenig aufschlussreich. Spricht aber nicht für den literarischen Wert des 19,90-Euro-Werkes. Ist auch gemein. 

Das liegt vielleicht daran, dass man eine andere Erwartungshaltung an ein autobiografisches Tunerbuch hat. Und es ist auch der Zeitgeist, der da weht. Der spricht für den einstigen Turnfloh aus Wetzlar, der übermorgen 30 wird und damit den Status eine Flohs längst über Bord geworfen haben dürfte. Denn die Sprache ist zeitgemäß, wenn auch nicht den turnerischen Erwartungen entsprechend. Ist aber andererseits auch gut so. Denn eines kann man Fabian Hambüchen nicht unterstellen: angepasstes Handeln. Damit hat er stets für Aufsehen gesorgt, auch abseits der Reckstange. Und am Ende hat das Turnen in Deutschland davon wohl mehr profitiert, als dass es geschadet hätte. Zumindest in der breiten Öffentlichkeit.

Was das alles mit dem Bundestag zu tun hat? Den Zeitgeist sicherlich, denn die Wahlen haben gezeigt, dass die (etablierten) poltitischen Parteien publizistisch und thematisch offensichtlich einer nicht mehr ganz kleinen Minderheit in der Republik nicht mehr aus der Seele sprechen. Denn das unangepasste ist im Vormarsch. Das zu verstehen, fällt uns Turnern manchmal schwer. Was aber auch gut sein kann.


Innenleben

29. September 2017, Joachim Schuchardt - Innenleben

Sport, Turnen und Soziale Arbeit

Es ist ja sonst nicht unser Stil, uns mit den anderen zu beschäftigen, denn wir Turner sind uns ja oft selbst genug. Aus gutem Grund, denn und gibt es schon lange, wir sind so richtig breit aufgestellt und - darüber hatte ich zuletzt geblogt - sind gut justiert zwischen Tradition und Moderne.

Trotz alledem, wir sind ein Teil des Großen und Ganzen (ein nicht unerheblicher!) namens Organisierter Sport in Deutschland. Dass wir da eigentlich ganz gut aufgehoben sind, beweisen die vielfältigen Aktivitäten des DOSB. Und da sei an dieser Stelle in besonderer Weise der wunderbare DOSB-Pressedienst erwähnt, der jeden Mittwoch nachmittag pünktlich in meinem elektronischen Postfach liegt. Besonders hervorzuheben: Der oft 30-seitige Pressedienst beginnt stets mit einem Kommentar, und zwar so gut wie immer mit einem sehr gehaltvollen.

Gestern hat sich daselbst Martin Schönwandt zu Wort gemeldet. Schönwandt ist Vorstand Jugendsport beim DOSB und hat sich grundlegende Gedanken zum Zusammenspiel von Sport und Sozialer Arbeit in dieser Republik gemacht. Und festgestellt, dass die gesellschaftlichen Aufgaben des Sports und der Sozialen Arbeit meist deckungsgleich sind, und irgendwie längst zueinandergefunden haben. Eine nicht unwichtige Erkenntnis, wenn wir uns als Turnvereine vor Augen halten, welche vielfältige gesellschaftlichen und insbesondere jugendpolitisch-pädagogischen Aufgaben inzwischen durch fast alle Sportvereine gestemmt werden. Wir integrieren, kennen keine soziale Schere, bei uns gilt Bildungsgleichheit, wir sind ein glühendes Besipiel für gelebte Demokratie.

Nur wenn es um darum geht, "guten und durchaus auch erfolgreichen Sport gerade für junge Menschen zu organisieren, bewegt (es) sich grundsätzlich in völlig anderen Kontexten und verfolgt andere Ziele als die Soziale Arbeit." Mag sein. Oder auch nicht. Denn dem sei gegenüber gestellt, dass sich das friedliche, sportliche Messen nach einem ausgetüftelten, nach den Richtlinien des Fair Play ausgerichteten Wettkampfes durchaus ein gutes Stück Sozialarbeit abbildet. Glaube ich. Zumndest lasse ich das mal für uns Turner so stehen und beziehe mich dann mal gerne auf unsere Turnväter, in deren guten demokratischen Werte-Tradition wir uns (auch in der Morderne!) immer noch gerne und gut bewegen.

Bleibt nur die Frage, ob dies bei manch einer anderen Sportart und bei offensichtlich professioneller Struktur unter Einsatz vieler Millionen Euros vielleicht ganz anders aussieht. Aber da können Sie sich ja selber ihr Urteil bilden.


Wenn sich Barren und Bildschirm umarmen....

28. September 2017, Joachim Schuchardt - Innenleben

... sich Reck und Rechner küssen, dann hält die Digitalisierung Einzug im Hessischen Turnverband. Es ist genau das, was der Hessische Turnverband, oder besser wir älteren Turnerinnen und Turner so gerne mit Tradition und Moderne titulieren. Denn: Tradition und Moderne, diese Mixtur tut dem Turnen gut. Während sich die vornehmlich älteren Herrschaften mit Verantwortung in den Vereinen (wozu sich der Autor angesichts vieler Lenze jenseits der 50 wohl auch zählen muss), wohl eher dem traditionellen innerhalb der Turnerei zuwenden, ist die Turnpraxis eher in der Moderne angekommen. Nehmen wir zum Beispiel Fabian Hambüchen (Turnpraxis, jung!). Der hat zwar eher einen traditionellen Turnanzug an, seine Übungen wären aber ohne digitale Mithilfe sicher nicht so formvollendet, wie sie daherkommen. Klar, Talent braucht's auch, aber die biomechanischen Möglich- und Fähigkeiten werden in der Halle per Mausklick auseinanderseziert. Gut, das ist jetzt ziemlich hoch aufgehängt, aber: Verabreden Sie sich nicht per WhatsApp für die nächste Pilates-Stunde, gestatten sie dem Kassenwart ihres Turnvereins nicht etwa den SEPA-Einzug per Mausklick...
....Und genau deshalb will auch der HTV Digitalisieren. Neue Homepage, neuer Blog, neue Inhalte....
Nein, genau nicht, denn die bleiben dann doch gleich. Denn auch in der schönen, neuen, digitalen Welt sollten wir nicht vergessen, mit was wir es hier zu tun haben: Mit Turnen, mit Körperkunst, und mit Menschen, die sich zum Ausübung dieses Zweckes zusammengeschlossen haben. Und zwar mit der einfachen Prämisse, dass die Ausübung der Turnkunst in der Solidargemeinschaft Verein noch viel mehr Spaß macht. Modern oder tradionell, digital oder analog - egal, Hauptsache es gefällt.


Schublogt

28. September 2017, htvuser - Innenleben

Digital, aber trotzdem lieb

Auch an Kolumnen geht die Digitalisierung nicht vorbei. Liebgewonnenes findet sich oft gedruckt. Bislang. Das ändert sich, so wie sich auch die Welt ändert. So wird aus Schuschreibt Schublogt. Das hat aber nicht nur Nachteile (weil ja etwas Liebgewonnenes verloren geht), sondern auch Vorteile. Denn wenn Schu blogt, spart sich der Autor einige Zwischenschritte. Kein Layout, keine Korrekturschleifen, kein Druck und Versand. Die unnützen Ausdünstungen des Schu über Turnen, Vereine, Zusammenleben im Alltag, Sprache, mehr oder minder nutze Bewegungsformen, Essen und Trinken - sie alle landen direkt beim Leser (oder der Leserin, oder wer auch immer dieses unnütze Zeug liest).

Weil das Ganze also digitalisiert und damit ein wenig barierrefreier, sicher aber schneller ausgedünstet werden kann, könnte es sein, dass Schu nun öfter schreibt (oder blogt), somit also die Belästigungsfrequenz des nennen wir es mal Konsumenten deutlich zunimmt. Das könnte dann wiederum von Vorteil sein, zum Beispiel weil Sie, werte Leser, diese kleine und nutzlose Kolumne liebgewonnen haben. Das würde den Autor freuen, egal ob digital oder gedruckt.